


A PIECE by RACHELLE STRUB
Dieser dunkle blaue Fleck auf meinem rechten Oberschenkel (die Tischkante ist schuld), ich trete in die Pedale meines Fahrrades auf der Brücke kurz nach Mitternacht, über das Abwerten des Vergessens haben wir geredet, ich freue mich auf mein Bett, erblicke, was ich nur kurz für ein schwarzes Insekt halte, auf meinem rechten Oberschenkel, doch es ist nur dieser dunkle blaue Fleck.
This dark spot on my right thigh (the edge of the table is to blame), as I pedal my bike on the bridge just after midnight, we were talking about the devaluation of the act of forgetting, I’m looking forward to my bed, I catch sight of what I briefly think is a black insect on my right thigh, but it’s just this dark bruise.
Du hast heute Nacht geträumt. Deine Haut hat sich am Bauch abgelöst, die Hautfetzen hingen an dir herab. Von Schmerzen hast du nicht geträumt. Immer wieder hast du den Saum deines T-Shirts vorsichtig mit beiden Händen nach oben gezogen, neugierig den Kopf, deine Augen und deinen Blick nach unten gewendet, um dich deiner roten Ablösung zu vergewissern. Kurz bevor du aufgewacht bist, zeigte sich dir ein neues Bild. Unter deinem T-Shirt wucherten deine Hautfetzen nun als rote Rosen. Dein Ekel erfreute dich.
You had a dream last night. Your skin was peeling off of your stomach, shreds of skin were hanging off you. You didn’t dream about the pain. Again and again you carefully pulled the hem of your T-shirt upwards with both hands, curiously turning your head, your eyes and your gaze downwards to make sure of your red detachment. Shortly before you woke up, a new image appeared. The scraps of skin were now growing as red roses under your T-shirt. Your disgust delighted you.
Im Pyjama torkelst du die Holztreppe runter, schaust mich an, deine braunen Augen, und sagst, du musst mir etwas zeigen. Ich willige ein und folge dir auf den knarzenden Treppenstufen nach oben. In deinem Zimmer zeigst du mir mit Stolz deine Slimesammlung, wir stellen fest, dass einige feuchter sind als andere. Du bist fasziniert von ihnen. Ich versuche dich zu überzeugen, deine Zähne zu putzen, damit du ins Bett gehen kannst, morgen ist ein Schultag. Wir gehen ins Badezimmer und du wäschst deine Hände mit Seife. Dann kletterst du auf einen Schemel und richtest dich vor dem Badezimmerspiegel auf, damit du dich siehst beim Zähneputzen. Danach: Mit einem Stapel Bücher kommst du auf mich zu, eines soll ich auswählen, um dir vorzulesen. Meine Überforderung ist dir schnell bewusst; du wählst das erste Buch aus der Reihe, kuschelst dich im Bett ein, ich streife meine Schuhe ab und lege mich neben dich. Ich beginne, dir die Geschichte, die du schon gut kennst, vorzulesen. Du stellst kluge Fragen, deine Bemerkungen überraschen mich. Sind deine Überlegungen zu alleinerziehenden Eltern wirklich deine?
You stagger down the wooden stairs in your pyjamas, look at me, your brown eyes, and say you have something to show me. I agree and follow you up the creaky stairs. In your room, you proudly show me your collection of slimes and we notice that some are wetter than others. You are fascinated by them. I try to persuade you to brush your teeth so you can go to bed, you’ve got school tomorrow. We go to the bathroom and you wash your hands with soap. Then you climb up on a stool and stand in front of the bathroom mirror so you can see yourself brushing your teeth. Then: You approach me with a pile of books and ask me to choose one to read to you. You quickly realize how overwhelmed I am; you choose the first book from the pile, snuggle up in bed, I take off my shoes and lie down next to you. I start reading you the story that you already know well. You ask clever questions, your remarks surprise me. Are your thoughts on single-parents truly your own?


ABOUT THE AUTHOR
Rachelle Strub studied English and Media Studies in Basel, and is currently completing her master’s degree in Language and Communication. In her free time, she buzzes around the city and writes about (everyday) encounters.
